Hardware: Lieber zu laut oder zu warm?

Vor 5 oder gar 10 Jahren musste man für einen modernen PC noch tief in die Tasche greifen. Wer damals günstig an Hardware kommen wollte musste dafür nicht selten lange Warteschlangen vor Discount-Supermärkten in Kauf nehmen, um an einen der nur begrenzt vorrätigen “Billig-PCs” zu gelangen.

Dank immer weiter fallender Hardware-Preise sorgt eine entsprechende Ankündigung im Supermarkt-Prospekt heute kaum noch für Aufruhr, schliesslich bekommt man Computer mittlerweile an jeder Ecke zu Schleuderpreisen.

Schon beim ersten Einschalten stellt sich einem dann aber mitunter doch die Frage, ob der günstige Preis tatsächlich nur durch fallende Hardware-Preise erzielt werden konnte, oder ob hier nicht doch billiges Material verbaut wurde. War der alte Rechner nicht irgendwie leiser? Ist der Flugzeug-Turbinen-Sound wirklich nötig? Und konnte ich den alten PC auch schon als Fußheizung benutzen?

Wenn Sie sich nicht gerade einen HighEnd-PC für mehrere tausend Euro gegönnt haben, werden Sie in der Produktbeschreibung zwar sämtliche leistungsbezogenen Angaben zu Prozessor, Festplatte und Arbeitsspeicher finden, aber in der Regel nicht ein Wort über die verwendeten Kühlkomponenten. Dabei ist es bei einem PC wie beim Auto: bringt der Kühler nicht die benötigte Leistung wird das Gerät zuerst warm, dann laut, und dann geht es kaputt.

Das kommt oft daher, daß die Hersteller zwar extrem leistungsfähige Prozessoren verbauen (was sich natürlich verkaufsfördernd auswirkt), dann aber bei Kühlern und Lüftern auf 08/15-No-Name-Ware zurückgreifen, um ein paar Cent Herstellungskosten zu sparen.

Was dann passiert hängt davon ab, welche Technik im PC verbaut ist:

Variante A: Der Rechner, der sich selbst schützt

Gibt eine verbaute Komponente (z.B. Prozessor oder Grafikkarte) zu viel Wärme ab, wird das vom zuständigen Lüfter registriert. Dieser erhöht daraufhin seine Drehzahl und läuft dann nicht selten oberhalb des Drehbereichs, für den er konzipiert ist. Das bedeutet, daß er wesentlich lauter wird und dadurch störend auffällt. Allerdings erreicht auch jeder Lüfter irgendwann seine maximale Drehzahl. Genügt diese nicht, um die entstandene Wärme zu reduzieren, wechselt der Prozessor in eine Art “Notlauf”, er reduziert also seine Leistung um nicht noch weiter zu überhitzen. Hierüber erfolgt keine Meldung, so daß man sich vielleicht einfach nur wundert, warum der Rechner im Betrieb stetig lauter und langsamer wird. Im Extremfall ist der neue Rechner dann nicht nur lauter, sondern auch noch langsamer als vergleichbare ältere Modelle.

Variante B: Der Rechner, der sich nicht selbst schützt

Während bei Variante A zumindest kein wirklich messbarer Schaden entsteht, gibt es gerade im Low-Budget-Bereich auch PCs, die nicht über die oben genannten Schutzmechanismen verfügen. Hier läuft der Lüfter konstant mit Geschwindigkeit X, unabhängig von der Temperatur der zu kühlenden Bauteile. Wird dennoch eine Komponente zu heiss entwickelt sich ein Hitzestau, welcher sich nicht nur extrem nachteilig auf die Lebensdauer des jeweiligen Bauteils auswirkt, sondern sich auch im PC-Gehäuse ausbreitet. Dadurch zieht er alle anderen verbauten Teile in Mitleidenschaft, wodurch sich die Lebensdauer des gesamten Systems teils deutlich verkürzt.

Woher weiss ich, ob mein Rechner zu warm ist?

Die Temperatur der einzelnen Komponenten lässt sich bei den meisten Mainboards ganz einfach mit Windows-Tools (z. B. mit der Freeware Speedfan) auslesen. Sind hier nach längerem Lastbetrieb des Rechners alle Messwerte im grünen Bereich besteht in Sachen Temperatur kein Handlungsbedarf. Erscheint allerdings ein Warnsymbol neben einem Messwert und verschwindet auch nach kurzer Erholungszeit nicht, sollten Sie dringend etwas unternehmen. Gleiches gilt natürlich auch, wenn Sie die Rechnergeräusche im Normalbetrieb als störend empfinden.

Was kann ich gegen zu hohe Temperaturen oder Lautstärke tun?

Wer sich etwas mit Hardware auskennt kann versuchen, das Problem selbst in den Griff zu bekommen. In manchen Fällen kann man einen Hitzestau bereits dadurch beseitigen, daß man die vorhandenen Komponenten im Gehäuse etwas anders anordnet und ihnen mehr Luft verschafft. So sind z. B. direkt übereinander verbaute Festplatten, zwischen denen nicht genügend kühlende Luft zirkulieren kann, eine häufige Quelle für unnötige Wärmeentwicklung.

Es kann ebenfalls etwas bringen, die im Computer herumliegenden Kabel mit Kabelbindern zu Kabelsträngen zusammenzufassen und möglichst ordentlich zu verlegen, da so unnötige Luftverwirbelungen reduziert werden was zu einer besseren Durchlüftung führen kann.

Sind auch diese Maßnahmen erfolglos sollten Sie in Erwägung ziehen, die verwendeten Kühlungs- und Lüftungskomponenten auszutauschen. Selbst Markenprodukte in diesem Bereich kosten nur wenige Euro, können aber dazu beitragen, daß sich die Lebenszeit des Rechners wesentlich erhöht und die Geräuschbelastung so gut wie nicht mehr wahrnehmbar ist.

Man muss also keinesfalls Kompromisse eingehen und sich entscheiden ob der Rechner lieber zu laut oder zu warm sein soll, da vernünftige Komponenten sowohl eine optimale Kühlung als auch eine extrem niedrige Lautstärkeentwicklung bieten.

Sollten Sie sich selbst nicht sicher sein ob Handlungsbedarf besteht, oder sich die erforderlichen Umbauten nicht zutrauen, können Sie sich natürlich gerne an uns wenden.

Dass man es – wie immer – auch übertreiben kann, zeigt dieses Video bei Youtube. Das Problem zu warmer Luft wurde hier eliminiert, indem der komplette Rechner in einem Mineralöl-Bad seinen Dienst verrichtet. Die Frage nach dem Sinn kann man sich durchaus stellen, ein Hingucker ist dieses Gerät aber allemal.

Anmerkung: Die oben beschriebenen Hardwareumbauten sollten nur von wirklich versierten Anwendern durchgeführt werden. Ziehen Sie in jedem Fall den Netzstecker, bevor Sie das Gehäuse öffnen, und fassen Sie eine Heizung an um sich statisch zu entladen, bevor Sie Hardwarebauteile anfassen. Webdesign-Garmisch.com übernimmt in keinem Fall eine Haftung für Schäden, die durch irgendwelche Umbaumaßnahmen, die softwareseitige Modifikation von Lüftern oder das Versenken Ihres PCs in Mineralöl entstehen.

Erstellen Sie einen Kommentar

(*) Pflichtfelder bitte ausfüllen.